Rechts: Anwachsen der rechten Szene im Gebiet des Bistums Aachen

Aachen. Die rechtsextreme Szene im Gebiet des Bistums Aachen ist in den letzten Jahren gewachsen und gilt als eine der aktivsten in Nordrhein-Westfalen. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung zu einer Großen Anfrage der Fraktion der Partei Die Linke hervor. Besonders seit dem Jahr 2007 stieg die Zahl von Versammlungen und Aufmärsche, aber auch die der Bedrohungen und Angriffe auf Menschen, die Neonazis als Gegner ansahen.

Das umfangreiche Papier liegt den „Nachrichten“ vor. In dem Schreiben wird detailliert auf die rechte Szene in NRW eingegangen. Auffälligkeiten gibt es dabei zwar im gesamten Land, jedoch stechen das östliche Ruhrgebiet um Dortmund und die Region zwischen Aachen, Euskirchen, Mönchengladbach und Krefeld hervor. Deutlich wird durch die Antworten auch, dass die Rechtsextremisten mit Neonazis aus Belgien und den Niederlanden kooperieren.

Von den acht sehr aktiven NPD-Kreisverbänden in NRW liegen mit dem Kreisverband Düren und Mönchengladbach/Heinsberg gleich zwei in der Region. Auch die zeitweise sehr eng mit der NPD verwobene Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) gilt mit ihren laut Landesregierung 25 Mitgliedern als zweitstärkste Neonazigruppe in NRW. Szenevertreter bezifferten gegenüber den „Nachrichten“ die Stärke der Gruppe, die auch in den Kreisen Düren und Heinsberg aktiv ist, unlängst sogar auf 30 bis 60 Personen.

In den Jahren 2006 und 2007 sollen KAL-Mitglieder zudem Kontakte zu Rockergruppen unterhalten haben. Einzelne personelle Überschneidungen zwischen Hooliganszene und Neonazis sieht die Landesregierung besonders in Aachen und Dortmund. Zu Aachen heißt es dabei: „So wurden bei Heimspielen der Alemannia Aachen mitunter bis zu 15 Personen der örtlichen ‚rechten’ Szene festgestellt, darunter auch Mitglieder der Kameradschaft Aachener Land.“ Ob die Personen in der örtliche Fanszene aktiv seien, könne nicht gesagt werden, heißt es im Papier.

Detailliert werden Aufmärsche, Saaltreffen und Infoveranstaltungen der rechten Szene gelistet. Auch hier finden sich seit 2005 zahlreiche Termine in der Region. Neben den fremdenfeindlichen Aufmärschen in Stolberg fanden etwa rechte Versammlungen in Hürtgenwald, Düren, Eschweiler, Mönchengladbach, Krefeld, Heinsberg, Erkelenz und Aachen statt. In Euskirchen fanden demnach in den letzten Jahren insgesamt 4, in der Städteregion inklusive Stadt Aachen 21, im Kreis Düren 22, im Kreis Heinsberg 11 und am Niederrhein zwischen Mönchengladbach und Krefeld sogar 30 Versammlungen statt.

Auch die Zahl rechter Straftaten stieg über Jahre an. Auffallend ist dabei, dass es in der Gesamtregion selbst in vielen kleinen Gemeinden zu Propagandadelikten kam. Zugenommen haben aber auch Körperverletzungsdelikte und Bedrohungen gegenüber Menschen, die sich gegen Rechts engagieren oder nicht in das Weltbild der extremen Rechten passen. Besonders im Jahr 2009 kam es zu einer Häufung von Fällen, in denen Neonazis im Raum Aachen Gegner namentlich, teils mit Foto und unter Angaben der Anschrift via Internet „outeten“.

In Einzelfällen kam es auch zu steckbriefartigen Flugblatt-Aktionen gegen Nazigegner oder schweren Bedrohungen. Für die Polizei hieß das nach Recherchen der „Nachrichten“ manchmal, mit den Betroffenen Maßnahmen zu deren Sicherheit zu erörtern oder einzuleiten, da Übergriffe befürchtet wurden. [© Michael Klarmann; für AN (Politik)]