Rechts: Nazi-Aktion gegen Programmpunkt des Zuges der Erinnerung

Schleiden. Neonazis haben am Wochenende im Kreis Euskirchen Sprühaktionen im Umfeld einer Veranstaltung durchgeführt, die im Begleitprogramm des rollenden Mahnmals „Zug der Erinnerung“ [1] stattfand. Laut Polizeibericht kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag von bislang unbekannten Tätern zu Farbschmierereinen im Bereich des Sportplatzes und des Sportlerheimes in Herhahn. In besagtem Sportlerheim fand am Samstag ein Zeitzeugenabend mit einem Überlebenden der Edelweißpiraten aus Köln statt [2]. Die Edelweißpiraten hatten in Nazideutschland Widerstand gegen die massenmörderische Diktatur Hitlers geleistet.

„Da ein politisch motivierter Hintergrund nicht ausgeschlossen ist, ermittelt nun die Staatsschutzdienststelle in Bonn,“ teilte die Ermittler in ihrem Polizeibericht zu den Farbschmierereien mit. Die Behörde meldete ansonsten „etliche Farbschmierereien rund um das Sportplatzgelände in Herhahn […]. U. a. wurden Schriftzüge auf die Fahrbahn der angrenzenden Straße sowie auf dem Zuweg zum Sportplatz aufgebracht. Darüber hinaus wurden auch eine Tankanlage und eine Lampe des Sportvereins besprüht.“ Darüber, dass es sich um rechtsextreme Sprayaktionen handelt und in welchem Zusammenhang die Tat zu sehen sein könnte, erfährt man im Polizeibericht indes gar nichts.

Nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ sprühten die neonazistischen Täter unter anderen Parolen wie „NS jetzt!“ oder „Nationaler Sozialismus jetzt!“ Verwiesen wurde zudem auf das neonazistische Netzwerk „Aktionsbüro Mittelrhein“ (ABM), dessen „Kameraden“ derzeit wegen einer Gewalttat in Untersuchungshaft sitzen [3]. Ansonsten hinterließen die Täter Parolen wie „Antifa bedeutet Angst“, „Front heil“ oder „Antifa – ha ha ha“. Die Veranstalter des Abends sollen zudem Mails mit Drohungen gegen sie erhalten haben – mutmaßlich abgesendet von Neonazis.

Das Dorf Herhahn gehört zur Stadt Schleiden und liegt in der Nachbarschaft der früheren NS-„Ordensburg“ Vogelsang. Zuletzt war es 2009 zu öffentlich gewordenen, neonazistischen Aktionen in Herhahn gekommen [4]. Im Kreis Euskirchen sind üblicherweise Neonazis der „Freien Nationalisten Euskirchen“ (FNE) aktiv, im Bereich Herhahn sollen vor rund zwei Jahren aber ebenso Neonazis der „Sektion Westwall“ [5] respektive „Sektion Nordeifel“ der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) aktiv gewesen sein.

Beide Gruppierungen unterhalten auch Kontakte zum ABM, was sich unter anderem auch darin zeigte, das Aufkleber der ABM auch von Leuten aus dem KAL- und FNE-Umfeld im Raum Euskirchen, in der Nordeifel und in Düren verklebt worden waren. [© Klarmann]

[1] Zug der Erinnerung hält in Herzogenrath
[2] Siehe Ankündigung
[3] Aussteiger verprügelt und die Antirepressionswellenreiter
[4] Nazischmierereien auch in Hellenthal-Reifferscheid
[5] Die „Sektion Westwall“ der KAL ist/war weder zu verwechseln mit der unterdessen aufgelösten „Kameradschaft Westwall“ aus dem Raum Düren, noch mit dem „Westwall MC Simmerath“ aus dem Umfeld der Rockergruppe „Bandidos“, noch zu verwechseln mit der Hooligan-Gruppierung aus dem Raum Aachen, die zum Teil unter „FWW Westwall Aachen“ firmiert.


3 Antworten auf “Rechts: Nazi-Aktion gegen Programmpunkt des Zuges der Erinnerung”


  1. 1 Rainer 29. März 2011 um 17:18 Uhr

    Mittlerweile verlinkt Paul Breuer auf seiner Seite „Frontal National Bonn“ den Polizeibericht zu den Schmierereien in Herhahn. Ich deute das als Bekennerschreiben.

  2. 2 Klar, Mann? 31. März 2011 um 10:44 Uhr
  3. 3 Antifa Eifel 31. März 2011 um 11:22 Uhr

    Ebenso setzte das „Aktion Büro Mittelrhein“ einen Artikel auf die Internetseite und äusserte sich dazu. Auf der Seite der „Freie Nationalisten Euskirchen“ wurde eine offene Drohung über Twitter am Freitag Abend den 25.3.2011 gegen 15.30 Uhr! „@antifaeifel: es gibt nen kulturabend im bock,ihr seid herzlich eingeladen“ wieder gelöscht, nachdem die Ver-“Führer“ wieder zurück gepfiffen haben.

    Eine verklausulierte verpackte Morddrohung kann auch am Freitag Nachmittag gegen 15.00 Uhr! per E-Mail rein. Der Zahlencode „187″ (Steht in den USA Polizeicode für Murder/ Mörder) wurden benutzt und das man sich Treffen sollte und die Adresse des Edelweisspiraten für ein Treffen mitteilen soll etc. …

    Das ein Zeitzeugengespräch mit einem 85 jährigen über die Nazizeit 1933-1945 sowas auslöst, zeigt sehr gut auf, das die Gefahr des Faschismus und Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft (Thilo Sarrazin und Co.) sowie durch Neonazis (FNE, KAL, ABM, FNB, NPD, Pro …) akut ist.

    Wir machen weiter und lassen uns nicht einschüchtern!

    Bitte besucht den Zug der Erinnerung, nimmt an der Blockade des Naziaufmarsches in Stolberg am 08.04.2011 und am 09.04.2011 teil und informiert euch Vorort über weitere Aktionen.

    Für eine solidarischen Gesellschaft

    AFA Eu/Eifel

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