GegenRechts: Neue Outing-Seite anlässlich Stolberg

Aachen. Neue Aufgaben für die Strafermittler wegen der Verletzung von Persönlichkeits- und Kunsturheberrechten dürften seit heute wieder im Web abrufbar sein. Wie eine sich „Antifaschistische Recherchegruppe Aachen“ nennende Gruppe per Rundmail mitteilte, habe sie „ein Informationsportal online geschaltet“, in dem „Nazis aus der Region Aachen und Düren der Öffentlichkeit vorgestellt [werden], die teilweise seit Jahren […] aktiv sind.“ Auf der Website sind derzeit Namen, Bilder und persönliche Informationen von fast 70 Personen und drei Neonazi-Gruppen abrufbar. Ähnliche Outing-Seiten von Antifaschisten und Neonazis hatten in der Vergangenheit zahlreiche strafrechtliche Ermittlungen nach sich gezogen.

Im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW heißt es zu Outing-Seiten oder Outing-Aktionen: „Die Auseinandersetzung zwischen den aktionsorientierten rechts- und linksextremistischen Spektren in Nordrhein-Westfalen, namentlich den Neonazis bzw. Autonomen Nationalisten einerseits und der Autonomen Antifa andererseits, findet – neben anderen Aktionsformen wie z.B. Outings – schwerpunktartig nach wie vor ‚auf der Straße’ statt. […] Das Konfliktpotenzial der regionalen Rechts-Links-Auseinandersetzung ergab sich dabei aus […] gegenseitigen sogenannten ‚Outing-Aktionen’, bei denen die Betroffenen in ihrem sozialen Umfeld diskreditiert werden sollen.

Über die gegenseitig vorgenommenen Outings hinaus steigerte sich die Auseinandersetzung bis zu gewaltsamen Aktionen. […] Auch im Internet finden immer wieder ‚Outing’-Aktionen statt. Im Juni 2010 war für kurze Zeit ein Download verfügbar, der Fotografien von etwa 40 Personen aus dem Umfeld der rechtsextremistischen Szene in und um Aachen sowie Detailkenntnisse zu den abgebildeten Personen enthielt.“

Die neue Homepage erscheint auf den ersten Blick ähnlich der durch das Landesinnenministerium beschriebenen Website, die Antifaschisten anonym Mitte letzten Jahres online gestellt hatten [1]. Auch in der neuen Version werden neben den Namen von Neonazis und einigen Hooligans zahlreiche Fotos von den „Geouteten“ veröffentlicht. Zum Teil wurden diese widerrechtlich aus Medien- und Journalistenportalen sowie von Neonazi-Homepages übernommen. Ein Teil der Bilder scheint auch sozialen Netzwerken entnommen zu sein und zeigt die Personen bei privaten Feiern oder während eines Besuchs in Diskotheken. Offenbar unbeteiligte Personen wurden überwiegend anonymisiert.

Zwar war die Homepage im Juni 2010 schon nach wenigen Tagen wieder aus dem Netz genommen worden, indes hatten zahlreiche „Geouteten“ Strafanzeige gegen die unbekannten Betreiber erstattet. Über den Ausgang dieser Verfahren ist bisher nichts bekannt, in ähnlichen Fällen wurden jedoch Ermittlungen gegen Neonazis offenbar überwiegend eingestellt. So hatte Anfang 2009 eine neonazistische „Anti Antifa Herzogenrath“ eine Website online gestellt mit Daten zu Vertretern aus der Antifa- und linken Szene [2], zudem wurde ein Aufruf zum Mord an einen Aussteiger publiziert [3]. Die Staatsanwaltschaft Aachen wertete den Aufruf zum Mord indes nicht als Straftat, sondern lediglich als geschmacklos.

Die „Antifaschistische Recherchegruppe Aachen“ teilte nun aktuell mit, man wolle es „der Öffentlichkeit“ mit der Homepage „leichter machen […], Nazis in ihrer Umgebung zu identifizieren.“ Das Datum der Veröffentlichung sei „nicht ganz zufällig gewählt“ sondern hänge mit den fremdenfeindlichen Hetzmärschen in Stolberg am kommenden Wochenende zusammen. „Mit dem Informationsportal möchte die Recherchegruppe nochmal auf die Nazis hinweisen die alljährlich für diesen Aufmarsch verantwortlich sind und diesen unterstützen bzw. besuchen.“

Nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ enthält die Homepage in ihren Personendaten verschiedene Ungenauigkeiten und kleinere Fehler – unter anderem wird bei einem Neonazi, der seit geraumer Zeit in den Raum Leipzig verzogen ist, als Wohnort noch Düren angegeben. Bis zu sechs der „geouteten“ Personen wollen sich nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ zumindest zeitweise aus der rechtsextremen Szene zurückgezogen haben, wobei die „Antifaschistische Recherchegruppe Aachen“ diese offenbar in drei Fällen weiter als Neonazis ansieht und ihnen in drei weiteren Fällen offenbar vorwirft, weiter über ungebrochen gute Kontakte in die rechtsextreme Szene hinein zu verfügen.

In zwei der zuletzt genannten Fällen wirft man den Personen teilweise auf der Homepage auch vor, sich nicht wirklich von den alten „Kameraden“ distanziert zu haben oder nach einem Ausstieg noch an Attacken auf Nazigegner beteiligt gewesen zu sein. „Geoutet“ werden auch einige Personen, die zeitweise zwar in der Neonaziszene aktiv waren oder gewesen sein sollen, die sich heute aber in der sich überwiegend unpolitisch darstellen wollenden Hooligan-Szene bewegen. [© Klarmann]

[1] Antifa outet Neonazis und rechtsradikale Hooligans
[2] Anti-Antifa Herzogenrath outet alt und neu bekanntes…; Neonazi-Hetze im virtuellen Raum
[3] Das Ende einer großen Kameradschaft…?


14 Antworten auf “GegenRechts: Neue Outing-Seite anlässlich Stolberg”


  1. 1 Uiuiui 07. April 2011 um 15:11 Uhr

    Gute und sehr informative Seite.

  2. 2 Päsi 07. April 2011 um 15:39 Uhr

    Vielleicht sollte die Antifa mal richtig recherchieren. Dann würde ihnen auch auffallen das man garnicht mehr in Aachen wohnt. Sondern jetzt im schönen Hamelner Land, und dort Aktiver wie je ist. Sind halt alles vollpfosten unsere nette Aachener Antifa haha. Solltest denen doch öfters mal unter die Arme greifen ;) in bezug auf Namen usw. […]

    tja, wette, einige ihrer „kameraden“ werden das anders sehen, herr xyz. (nur ein buchstabe stimmt wirklich). mik

  3. 3 antifa.lkow 08. April 2011 um 12:34 Uhr

    wow päsi haste fein gemacht!

  4. 4 antifa.lkow 08. April 2011 um 15:32 Uhr

    Die Nazis ganz selbstironisch dazu: „Heiße Mädels, geile Typen – Aktivisten aus Deiner Region“

  5. 5 Stadtmusikant 08. April 2011 um 16:28 Uhr

    Unglaublich viele falsche Information. Ebenfalls unglaublich, dass Personen „geoutet“ sind, welche einst flüchtig Herr W. kannten, aber mit der Szene nichts zu tun hatten/haben.

  6. 6 Siegener Jungs 10. April 2011 um 8:33 Uhr

    Tja, so sind ´se halt von der anderen FGraktion… Viel Bild(er), aber wenig Ton und immer auf der Suche nach der braunen Bedrohung.
    War trotzdem wieder mal ganz nett im schönen Stolberg.

  7. 7 antifa.lkow 10. April 2011 um 21:37 Uhr

    @Stadtmusikant: „welche einst flüchtig Herr W. kannten, aber mit der Szene nichts zu tun hatten/haben. “ ? Nicht der Wahrheit entsprechend..

  8. 8 Stadtmusikant 11. April 2011 um 18:38 Uhr

    @ antifa.lkow: Reicht es heutzutage schon einen „Nazi“ zu kennen, um ebenfalls als ein solcher verurteilt zu werden!? „Nicht der Wahrheit entsprechend?“ Also ich kenne die fragwürdig „geouteten“ Personen und kann glaube ich besser beurteilen, wer zur Szene gehört und wer nicht, als ein Antifaschist, der sein „Wissen“ von fragwürdigen Quellen ergattert hat.

  9. 9 Der Beobachter 11. April 2011 um 19:42 Uhr

    Man könnte ja meinen, dass da jemand sauer ist, weil er nicht auf der Liste steht …^^

  10. 10 Stadtmusikant 11. April 2011 um 20:28 Uhr

    Stimmt, deswegen habe ich jetzt meine Bewerbungsunterlagen an die Ersteller der Seite geschickt in der Hoffnung, dass ich Ruhm und Anerkennung ernte. So ein Käse!

  11. 11 mikke 13. April 2011 um 17:17 Uhr

    Ich kenne besagte Personen und muss sagen, dass sie zwar nicht fest in der KAL verankert sind, aber dennoch rechtsextremes / (neo)faschistisches Gedankengut vertreten. Zudem ist/war Falko […] regelmäßiger „Saufkumpane“ der netten Menschen um aus der Region um Hahn.

  12. 12 Stadtmusikant 15. April 2011 um 16:10 Uhr

    Rechtes Gedankengut hin oder her. Weil man mit einem Neonazi ein Bierchen trinkt, bedeutet dies nicht gleich ein solcher zu sein.
    Wenn es danach geht, wer rechtes Gedankengut hat, dann sind meiner Meinung nach viel zu wenige „geoutet“.
    Besagte Personen haben übrigens im Zusammenhang mit der rechten Szene nie eine Straftat oder ähnliches begangen.

  13. 13 Blaubarschbube 15. April 2011 um 16:10 Uhr

    Dann müsste die Antifa aber nochmal ihre Website überarbeiten, wenn alle „Saufkumpane“ von W. geoutet werden..

  14. 14 D.L. 16. April 2011 um 16:22 Uhr

    ich finds süß

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.