Rechts: Extrem gezielte Provokation – Cremer fordert Verbot des Zentralrates der Juden

Bochum/Region. Die Taktik des nordrhein-westfälischen NPD-Landeschefs Claus Cremer, gelegentlich mittels provokanter Aussagen zuerst öffentliche Empörung auslösen und sodann deswegen mediale Öffentlichkeit einheimsen zu wollen, hat derselbe am Osterwochenende einmal mehr zelebriert: anlässlich der Forderung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, nach einem NPD-Verbot [1], hat Cremer schlicht das Verbot des Zentralrats der Juden in Deutschland gefordert.

Hatte das Mitglied des NPD-Bundesvorstandes den passenden Text dazu zuerst auf seiner eigenen Homepage publiziert, aber bisher nicht über die Homepage des NPD-Landes- oder Bundesverbandes veröffentlicht, haben die NPD-Gruppen in Heinsberg, Mönchengladbach und Krefeld den provokanten Beitrag unterdessen auf ihren Seiten nachpubliziert. Cremer findet darin, dass, „wer ständig die Zerschlagung einer mißliebigen Opposition“ [sic!] fordere, „selbst der größte Feind der vielzitierten Demokratie“ sei, weil er „der Meinungsunterdrückung den Hof macht“.

Cremer findet ferner, „langsam“ müssten Bundes- und Landesinnenminister „auf den Zentralrat aufmerksam werden“ zwecks Einleitung eines Verbotes. Dass Cremer den Judenhass dabei solide beherrscht, beweist auch folgende Aussage bezüglich des Veröffentlichungsdatums der Agenturmeldungen zu Graumanns Aussage: „Der Karfreitag ist in der christlichen Religion ein Tag der Trauer und des Kummers. An einem solchen Tag mal wieder das immer gleiche Gejammer und die unverschämten Forderungen des Zentralrates bzw. seines Präsidenten lesen zu müssen, verursacht auch bei mir und vielen volkstreuen Aktivisten fast einen körperlichen Schmerz.“

Cremer dürfte angesichts des Karfreitages darauf anspielen, dass Christen an diesem Tag der Kreuzigung Jesu gedenken – verraten der Bibel nach von Judas, ans Kreuz geschlagen angeblich jedoch nicht von den Römern, sondern den Juden, denen ergo das Label der „Gottesmörder“ angehaftet wurde. Jener besonders in der katholischen Kirche zeitweise stark vertretene Glaube führte unter anderem auch dazu, dass an Karfreitag die „Judenfürbitte“ – auch „Karfreitagsfürbitte für die Juden“ – gebetet wurde, um „die Juden“ zum christlichen Glauben zu bekehren.

Zeitweise waren in Europa jenen „Judenfürbitten“ auch Pogrome gegenüber Menschen jüdischen Glaubens gefolgt. Demgegenüber hatte der Karfreitag im Nationalsozialismus keine besondere Bedeutung, was das Ausleben des Hasses auf „die Juden“ anbelangte. Cremers historische Vorbilder wollten „die Juden“ nicht bekehren, sie ermordeten sie. Cremer und seine „vielen volkstreuen Aktivisten“ bilden sich indes heute ein, wegen der Aussagen des offenbar von ihnen als zu frech angesehenen Juden Graumann „fast [sic!] einen körperlichen Schmerz“ erleiden zu müssen.

Graumanns Eltern hatten als Überlebende des Holocausts sicher über körperliche und seelische Schmerzen einiges zu berichten – und das ganz ohne die Umschreibung „fast“ voranstellen zu müssen, wie es der ungelernte Schauspieler, schlechte Propagandist und billige Provokateur Cremer nötig hat… [© Klarmann]

[1] Siehe Agenturmeldung


2 Antworten auf “Rechts: Extrem gezielte Provokation – Cremer fordert Verbot des Zentralrates der Juden”


  1. 1 Antifaschist 24. April 2011 um 21:18 Uhr

    Hatte der Herr Cremer nicht seinerzeit behauptet (bei einer NPD-Demonstration gegen den Bau einer Synagoge in Bochum), der Talmud erlaube Juden Kinder ab der Vollendung des 3. Lebensjahrs zu vergewaltigen? Für diese üble antisemitische Äußerung ist er meines Wissens auch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden.

    Vielleicht sollte man langsam mal den Herrn Cremer verbieten … ach nein, das wäre ja undemokratisch.

  2. 2 Carlo Giuliani 25. April 2011 um 12:41 Uhr

    Spasseshalber sollte mensch dem Cremer vielleicht mal mitteilen, dass Jesus v. Nazareth selber jüdischen Glaubens war, und das es nie in seiner Absicht lag, eine neue Religionsgemeinschaft zu gründen.

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