Altpapier: Schwarz wie die blutrotdunkle Nacht

1987 veröffentlichte James Ellroy seinen Kriminalroman „Die schwarze Dahlie“ (dt. 1990), angelehnt an einen realen Mordfall in LA in den 1940er Jahren. Das Buch dreht sich um einen brutalen Mordfall, dem offenbar tagelange Folterungen durch Unbekannte vorausgingen. Ermordet wurde eine etwas anrüchig lebende junge Frau, der man posthum wegen ihrer Art, sich schwarz zu kleiden und im Nachtleben von LA herumzustromern das Label „schwarze Dahlie“ verlieh.

Zwar greift Ellroy jenen ungelösten Fall auf, baut jedoch um diesen herum einen fiktiven Roman zwischen Polizeiermittlungen, korrupten Polizisten und einem frühen Porno- und Rotlichtmilieu. Hinzu kommen die Welt des Boxsportes, eine immer ominöser werdende Dreiecksbeziehung zweier Cops mit einer ehemaligen Geliebten eines Kriminellen, eine Reihe anrüchiger Bars in LA und Mexiko sowie familiäre Abgründen in der High Society in Sachen Wahnsinn meets Sex’n’Crime.

Auch wenn Ellroys Buch seine Längen hat – schon der Einstieg verbleibt ungewöhnlich lange an einem Nebenkriegsschauplatz hängen – und man schon in der Mitte des Buches glauben mag, der Fall sei gelöst oder bleibe eben ungelöst. Letztlich gewinnt das Buch gerade im letzten Drittel an Rasanz und Wendungen und man wundert sich nur noch, wie viele Abgründe der Autor dem Leser noch antun will…

Ungemein packender Kriminalroman – die rund 470 Seiten sollten allerdings in drei bis vier „Sitzungen“ durchgelesen werden. Alles andere nähme dem Buch seinen Drive. 2006 drehte Brian De Palma einen auf das Buch beruhenden Film. [© Klarmann]