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Mitte: Christlich-Jüdische Gesellschaft Aachen steht wieder vor Spaltung

Aachen/Nideggen. Mitte letzten Jahres zerlegte sich die „Christlich-Jüdische Gesellschaft Aachen“, weil es Mobbing- und Antisemitismus-Vorwürfe gab [1] – laut Berichten in der Lokalpresse steht der Vorstand besagter Gesellschaft derzeit wieder vor einer Zerreißprobe. Schuld daran, so wird berichtet [2], sei diesmal ein Rundschreiben „des erst kürzlich gewählten jüdischen Vorsitzenden Nathan Warszawski“ von Anfang April. Warszawski lebt in Nideggen und fällt seit geraumer Zeit durch harsche, extrem überspitzte Stellungnahmen und Rundbriefe auf, wiederholt hat er lokalpolitische Gedenkvorhaben zum Massenmord an den Juden durch die Nazis in Düren oder Aachen scharf kritisiert oder lächerlich gemacht. Seine Texte wurden indes ebenso wiederholt auf extrem rechten bis anti-islamischen Websites dokumentiert oder verlinkt.

Teilweise wird auf jenen Websites über Muslime und Palästinenser in einem ähnlich diffamierenden Duktus „berichtet“ oder „diskutiert“, wie es in Nazideutschland über Juden geschah. Warszawski selbst hat sich zwar in Einzelfällen kritisch gegen manche Verwendung seiner Texte geäußert, seine Rundbriefe schienen jedoch an Schärfe und Kompromisslosigkeit zuzunehmen. So nahm es nicht Wunder, dass etwa im Oktober 2010 ein Schreiben von Warszawski auf Lob und Zustimmung in einem neonazistischen NPD-Forum stieß. Seinerzeit ging es um einen Disput zwischen Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, und dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), in Sachen Zuwanderung und Islam. Einer der Forenuser stellte zu Warszawskis Solidaritätsadresse an Seehofer fest:

„In diesem Schreiben distanziert sich ein Aachener Jude persönlich (UND stellvertretend für andere Juden) von Stephan Kramer […]. […] spannend [wird es sein], den weiteren Lebenslauf des Herrn Warszawski zu verfolgen (wird er ‚abgewickelt’ oder kann er sich durchsetzen?). Bitte hier keine Diskussion über die guten und schlechten Eigenschaften von Juden im allgemeinen! Es geht mir nämlich darum, dieses Schreiben so bekannt machen, dass die andere Seite (Klarmann, die Christlich-Jüdische Gesellschaft usw.) es nicht unter den Tisch fallen lassen kann, sondern gezwungen ist, darauf zu reagieren.“

Warszawski ist nicht pingelig, andere in die Nähe der Nazis zu rücken. 2009 schimpfte er etwa über die „Leserbriefe, die während des letzten Gaza-Krieges in der Dürener Zeitung und in den Dürener Nachrichten veröffentlicht wurden und sich nicht einmal in der Wortwahl von Artikeln der National-Zeitung unterschieden.“ Gemeint waren damit weniger neonazistische Scheiben, sondern vielmehr solche von Menschen aus der Friedensbewegung, die die israelische Militärpolitik kritisierten. Und auch in dem Rundbrief, der den neuerlichen Eklat ausgelöst hat, greift Warszawski vorzugsweise Menschen an, die sich „nur“ kritisch gegen die israelische Militärpolitik äußerten.

„Im Gegensatz zu weit entfernten Naturkatastrophen, die Deutschland in imaginäre Scheinwelten stürzen, bedeutet das Nazikreuz [3] an der Synagoge in Aachen konkret den Wunsch, Juden zu eliminieren.“ Dann verweist Warszawski darauf, dass das Evangelische Erwachsenenbildungswerk und der Aachener Friedenspreis die Ausstellung „NAKBA: Flucht und Vertreibung der Palästinenser“ zeigen werden. „Das Haus der Evangelischen Kirche in Aachen plant die Katastrophe,“ so Warszawski weiter. Aachen sei „wirklich ein langweiliges Nest“, vielleicht nehme daher „kaum jemand zur Kenntnis, dass sich dort gerade wieder der mörderische Geist des Judenhasses breit macht.

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Im März 2011 wurde die Aachener Synagoge mit einem Hakenkreuz beschmiert. Schon ein halbes Jahr vorher wurde ein jüdischer Friedhof in Aachen mit Hakenkreuzen beschmiert. Damals fand sich auch eine Parole neben dem Hakenkreuz: ‚Freiheit für Palästina!’ Die Aachener Zeitung bezeichnete damals diese Losung als Nazi-Parole. Weit hergeholt ist diese Bezeichnung nicht, marschierten doch erst jüngst Mitglieder der NPD durch Aachen und skandierten: ‚Weltweit den Antizionismus vorantreiben!’ (mehr…)