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Unklar: Antifa versus Hooligans versus Antifa versus Hooligans versus…

Region. Rund ein Jahr lang war es etwas ruhiger geworden – doch nun könnte sich die Feindschaft zwischen Antifa- und Hooligan-Szene in Aachen wieder zuspitzen. Vor rund zehn Tagen „outeten“ unbekannte Antifaschisten einige Personen, die zeitweise zwar in der Neonaziszene aktiv waren oder gewesen sein sollen, die sich heute aber in der sich überwiegend unpolitisch darstellen wollenden Hooligan-Szene bewegen, in einem „Naziverzeichnis“ [1]. Am Abend des 8. Aprils soll dann ein Tross Hooligans – darunter auch „Geoutete“ – auf der Rückfahrt vom Auswärtsspiel der Alemannia beim MSV Duisburg provokativ beim „Autonomen Zentrum“ (AZ) vorbeigeschaut haben. Die Polizei war mit Teilen einer Hundertschaft vor Ort um eine Eskalation zu verhindern, ein Polizeihubschrauber kreiste über der Szenerie und Antifaschisten nannten den Tross schlicht „Nazihools“. Am Freitag nun wollten Antifaschisten die Geburtstagsfeier eines „bekannten aachener Nazi-Hooligan[s] in [Herzogenrath-]Kohlscheid“ verhindern, indem sie sich mit einer Pressemitteilung zu Wort meldeten. Kurzfristig musste die Feier mit bis zu 200 erwarteten Personen verlegt werden – das Gros der Hooligans fand das Vorgehen der Antifa erwartungsgemäß wenig erheiternd.

In ihrer am Freitag, 15. April, um 10.53 Uhr via E-Mail verschickten Pressemitteilung teilte die relativ neue Aachener Antifagruppe „A3“ („Antifakubik“) mit, dass aus „gut informierten Kreisen […] vor einigen Tagen bekannt“ geworden sei, dass der „Nazi-Hooligan […] seinen Geburtstag [am Abend desselben Tages] im Vereinsheim des Kohlscheider B.C. feiern wird. Zu diesem Geburtstag sind, erwiesenermaßen mehrere Dutzend aachener Nazis und rechtsradikale Hooligans eingeladen.“ Der Fußballverein war in seiner Vergangenheit schon mehrfach aufgefallen, weil in seinen Reihen etwa Neonazis oder rechts-affine „Mitläufer“ mitspielten, jedoch hatte er sich von diesen distanziert und sich dem Netzwerk „Fußballvereine gegen Rechts“ angeschlossen. Laut „A3“ habe der Fußballverein Kohlscheider BC „trotz mehrfacher Appelle und Informationen“ die nun anstehende Feier nicht abgesagt, da der Organisator versichert habe, kein Neonazi zu sein.

„A3“ stellte dazu fest, den Hooligan auf Fotos von „diversen Naziaufmärschen (unter anderem am vergangenen Wochenende in Stolberg)“ gesehen zu haben. Tatsächlich war besagte Person zeitweise Mitglied der Neonazi-Szene und hatte bis Anfang 2008 noch an rechten Aufmärschen teilgenommen. Der Heranwachsende war später zudem wegen der Teilnahme an einen Angriff von Neonazis und rechten Hooligans auf eine Nazigegner-Demonstration in Aachen verurteilt worden. Seit Mitte 2008 jedoch hatte der Kohlscheider sich mehr der Hooligan-Szene zugewandt und war bei rechtsextremen Aktionen nicht mehr aufgefallen – mit Ausnahme seiner Teilnahme bei dem Aufmarsch am 9. April in Stolberg, wobei er auf außenstehende Betrachter unter den Parolen skandierenden „Autonomen Nationalisten“ passiv und fehlplaziert wirkte.

„A3“ stellte weiter fest: „Gerade in der Städteregion Aachen, in der es immer wieder zu Übergriffen von Nazis auf Migrant_innen, vermeintliche politische Aktivist_innen und einfach Andersdenkende kommt, dürfte es in keinster Weise geduldet werden, dass ein offen bekennender Rassist eine Party mit weiteren Nazis und Hooligans aus dem rechten bis rechtsextremen Spektrum in den Lokalitäten eines Fußballvereins abhalten kann.“ Wegen verschiedener anderer Vorfälle in den letzten Jahren gebe es bei dem Fußballverein zudem „keine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Rechtsextremismus im Fußball bzw. Rassismus, Faschismus, Sexismus und Homophobie“. Nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ spielte etwa ein kürzlich wegen Volksverhetzung und Sprengstoff-Basteleien verurteilter Neonazi zeitweise bei besagtem Verein. Im Mai 2008 hatten sich schon einzelne Spieler des A-Jugendteams des Kohlscheider BC vor einem Freundschaftsspiel gegen SC Yurdumspor Aachen mit Neonazis und rechten Hooligans verabredet, um die türkischen Kicker zu provozieren. Die Partie wurde später wegen Tumulten abgebrochen. Der Verein distanzierte sich und ermahnte die Kicker scharf. Zudem schloss sich der KBC der Kampagne „Fußballvereine gegen Rechts“ an – doch in der damaligen A-Jugend kickten zeitweise weiter drei bis vier Neonazis mit.

Falls stimmt, was die „Antifakubik“ mitteilt, hatte der Kohlscheider BC auf ihre Hinweise hin zwar nicht direkt so reagiert, wie es sich die Antifa wünschte. Glaubt man den Veranstaltern jener Feier jedoch, musste der Verein dennoch kurzfristig einlenken: nachdem nämlich Mitarbeiter der Herzogenrather Stadtverwaltung interveniert hatten, die offenbar ebenso auf dem Presseverteiler der „A3“ standen, war am Freitagnachmittag klar, dass die Feier nicht im Vereinsheim des KBC stattfinden wird. Stattgefunden hat sie nach Recherchen von „Klarmanns Welt“ dennoch – in einer Kleinstadt in der Städteregion Aachen in einem privatwirtschaftlich betriebenen Veranstaltungsraum. Und dürfte im Eifer der aktuellen Wirren vieles noch im Unklaren liegen – so dürfte angesichts der Vorfälle eines jedoch auch schon nun klar sein: die Hooligan-Szene hat derlei als Einladung zum „Match“ verstanden… [© Klarmann]

[1] Neue Outing-Seite anlässlich Stolberg