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Wirtschaft/Soziales: NGG nimmt Leiharbeit ins Visier – und droht mit Warnstreiks

Aachen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will sich in der Region mehr für die gerechte Entlohnung von Leiharbeitern einsetzen. Zudem kündigt die Gewerkschaft mit Ende der Friedenspflicht ab April Warnstreiks an, sollten die Arbeitgeber der Süßwarenindustrie keine besseren Tarifangebote vorlegen. Dies sind Resultate einer NGG- Delegiertenkonferenz am Wochenende in Aachen.

NGG-Landesbezirksvorsitzender Thomas Gauger kündigte bei der Konferenz „betriebliche Maßnahmen“ an, sollten die Arbeitgeber keine besseren Angebote auf den Tisch legen. Das Angebot der Firmen, die Löhne um zwei Prozent zu erhöhen, kritisierte Gauger, läge „unterhalb der Inflationsrate“. Demgegenüber seien viele Managergehälter trotz Wirtschaftskrise so hoch, dass ein Lottogewinn dagegen wie „ein Witz“ wirke.

Gauger forderte zudem, dass die Konzerne auch gestiegene Rohstoffkosten auf die Verkaufspreise der Produkte umlegen müssten. Es gehe nicht an, dass der Preiskampf – etwa gestiegene Kosten für Kakao – nur „auf dem Rücken der Arbeitsnehmer“ ausgetragen würde. Ungeachtet dessen finde auch in der Gastronomie „Lohndumping“ statt, sagte Peter Mogga, NGG-Geschäftsführer in der Region Aachen. Man beobachte mit Sorge, wie manche Branchen „das Einkommensniveau weiter nach unten“ drückten.

Hier hat die Gewerkschaft besonders die Leiharbeit im Blick. Vollzeit-Leiharbeiter verdienen laut NGG teilweise knapp 1.400 Euro brutto, berechnet inklusive Schichtzulagen und Weihnachtsgeld. „Jeder dritte Leiharbeiter“ beziehe deswegen „Aufstockungsleistungen von der Agentur für Arbeit, das heißt, wir finanzieren die Vernichtung unserer eigenen Arbeitsplätze,“ kritisierte Hans Theis, Vorsitzender der NGG-Aachen.

Da die Leiharbeit weiter boome und Beschäftigte oft weit unter Tarif bezahlt würden, fordert die NGG einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. Mogga: „Die Spaltung der Belegschaften in Stammbelegschaft und Billiglöhner, die unter dem Damoklesschwert des Arbeitgebermottos ‚Heuern und Feuern’ oft auf gewerkschaftlichen und tariflichen Schutz verzichten, ist zutiefst unsozial, missachtet die Menschenwürde der Betroffenen, garantiert Perspektivlosigkeit und Altersarmut.“ Das alles schade zudem, so Mogga, der Inlandskonjunktur und reiße Löcher in die Sozialkassen.

Künftig, kündigte Mogga an, werden man sich mehr für die Rechte der Leiharbeiter engagieren. Zudem wolle man unter den Arbeitnehmern in den Betrieben wieder mehr Mitglieder gewinnen. Während der NGG etwa laut Gauger bundesweit neue Mitglieder beitraten, ging der Trend in der Region Aachen zuletzt in die Negativrichtung. Mogga sagte, dies habe daran gelegen, dass Arbeitsplätze abgebaut und mit Leihkräften besetzt wurden. Mancher Betrieb schloss zudem seine Pforten. [© Michael Klarmann; für AN]