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GegenRechts: Rassebegriff reif für den Müllhaufen der Geschichte

Aachen. Anlässlich der Verleihung des Aachener Friedenspreises am heutigen Abend veröffentlicht „Klarmanns Welt“ die leicht redigierten Manuskripte zu den Redebeiträgen während der Preisverleihung – mit Bezug zu dem nationalen Preisträger, Austen Peter Brandt und „Phoenix e.V.“. Nachfolgend Auszüge aus der Dankesrede von Brandt:

Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen aller Phoenix-Mitglieder bedanke ich mich für die Verleihung des Aachener Friedenspreises. Als Verein existieren wir seit 1993. Wir führen Anti-Rassismus-Trainings und Empowerment-Trainings durch. In unserer Vereinsarbeit geht es darum, den Folgen des Rassismus im persönlichen und strukturellen Bereich Alternativen und Strategien entgegenzusetzen. Phoenix – für eine Kultur der Verständigung, mit Mitgliedern aus 32 verschiedenen Nationen.

Die Verleihung des Preises ist für unseren Verein ein wichtiger Schritt in der Entwicklung; gehören wir ja nicht zu den ganz Großen mit unseren fast 300 Mitgliedern. Die Verleihung und die damit verbundene Öffentlichkeit ist auch eine Herausforderung für uns. Bisher haben wir unsere Arbeit eher nach dem Motto getan. „Tue Wichtiges, aber sprich nicht darüber.“ Die Zurückhaltung bei unserer Arbeit entspringt nicht einer zwanghaften Scheu vor zu viel Publizität, sondern ist die Folge von Erfahrungen, die einige von uns insbesondere in den 80er und frühen 90er Jahren gewonnen haben.

Damals war das Gespräch über Rassismus ein noch größeres Tabu in unserer Gesellschaft als heute und mir fiel immer wieder auf, dass sogar Menschen, die gegen die Apartheid in Südafrika kämpften oder eine tiefe Solidarität mit der Arbeit von Martin Luther King empfanden, gegenüber den Strukturen des Rassismus in der Bundesrepublik relativ unbewusst waren.

Seit 1985 gibt es die ISD, die Initiative Schwarzer Deutscher und Schwarzer in Deutschland. Damals schlossen sich zum ersten Mal Schwarze Deutsche zusammen, und wir waren erstaunt, welche analogen Erfahrungen wir gemacht hatten, unabhängig davon, ob wir auf Amrum, in Aachen, Kassel, Essen oder Kempen groß geworden waren.

Analoge Erfahrungen, dass Du mit einer dunklen Hautfarbe von Kind an diskriminiert wirst, offen oder versteckt, dass man dich „Mischling“ nennt und dass zugleich kaum einer bereit oder in der Lage ist, sich mit Dir über den rassistischen Hintergrund dieses Begriffes auseinanderzusetzen. Analoge Berichte, wie wir als Kind versuchten uns die dunkle Haut abzureiben, weil wir schon von früh an gelernt hatten, dass Du mit einer dunklen Hautfarbe als minderwertig angesehen wirst. Mir z.B. wurde der Weg zum Abitur schwer gemacht, weil einige Lehrer sich partout nicht vorstellen konnten, dass so einer wie ich dieses Bildungsziel erreichen kann.

Es macht mich heute immer noch nachdenklich, dass weder Menschen aus dem christlichen Umfeld, noch aus dem solidar-politischen Umfeld, noch aus dem Spektrum der Parteien, in denen ich mich in meiner Jugend bewegte, überhaupt einen Blick hatten für eine in der BRD bestehende, nicht gelöste, kaum bearbeitete rassistische Grundstruktur. Eine Struktur, die in den vielen Jahrhunderten des kolonialen Rassismus entstanden und nie ernsthaft bearbeitet wurde. (mehr…)